Frühjahr 2020 -Das Corona-Virus breitet sich rasant aus, Pflegeheime und Krankenhäuser
stoßen an ihre Grenzen. Das neue, wenig bekannte Virus macht Angst.
Viele Menschen sterben innerhalb kürzester Zeit.
Angehörige von Verstorbenen schildern in dem Film von Jana Johnston und Joscha Bitsch
die oft tragischen Umstände des Abschieds. Der Zugang zu Krankenhäusern und Pflegeheimen
ist nach kurzer Zeit nicht mehr möglich. Jannis, der seine Mutter an das Coronavirus verloren
hat, erinnert sich: „Die halbe Stunde, die ich da war, war ich in Plastik verpackt, Haarhaube,
Handschuhe, Vlieskittel, und ich sollte zwei Meter Abstand einhalten.“
Seine Schwester wartet draußen, zündet Kerzen an und singt, um auf diese Art nah zu sein.
Ihre Mutter hat sie nicht mehr lebend gesehen. Drei Tage harrt Anna, eine andere Betroffene,
bei ihrem Vater im Pflegeheim aus, bis er am Coronavirus stirbt. Sie bleibt bei ihm, wie sie
gekommen ist, weil sie sich Sorgen macht: „Komme ich überhaupt wieder rein?“
Barbara erinnert sich, wie sie den Umgang mit ihrem toten Vater empfunden hat:
„Es war schwer für mich, dass der Sarg dann so schnell entsorgt wurde. Ich hatte dieses
Gefühl, mein Vater, er besteht nur aus diesem ansteckenden Virus, den man so schnell wie
möglich aus der Gefahrenzone bringen muss.“
Julia-Sofia aus Freiburg erlebt, wie kurz nacheinander ihr Großvater und ihre Großmutter am
Coronavirus sterben. Beide sind Opfer einer Corona-Infektion. Julia erinnert sich an die
Beerdigungen im Abstand von zwei Wochen. „Wir haben uns nicht an den Händen halten können,
nicht umarmen können. Ich hatte einfach das Gefühl, es ist ein riesengroßer Alptraum.“
Julia gründet eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Corona-Opfern.
Die Gespräche montiert der Film mit Scherenschnitten und Realaufnahmen zu einer Dokumentation
über die Ausnahmesituation der Pandemie und stellt die Frage nach der Würde von Sterbenden
und denen, die zurückbleiben.
Nach dem Film findet ein moderiertes Filmgespräch mit Joscha Bitsch und
Jahna Johnsohn statt.